Hilfreiche Praxistipps zur Eingewöhnung von traumatisierten Katzen

Ein Gastartikel von Norbert M. über Creamy & Felix.

Diese Tipps und Ratschläge beziehen sich auf die Erfahrungen, die wir mit unseren beiden Fellnasen Creamy und Felix gemacht haben.

Unter Problemkatze verstehe ich Katzen, über deren Herkunft, Alter und Zustand man wenig bis gar nichts weiß. Zum Beispiel Tierheimkatzen, Fundkatzen oder Katzen aus einem Nachlass.

Ferner sollte ein Katzenneueinsteiger sich bitte nicht gleich mit Problemkatzen beschäftigen. Hier ist sehr viel Vorwissen, Fingerspitzengefühl und vor allem viel Geduld wichtig. Die Fellnasen brauchen besonders viel Aufmerksamkeit und Liebe.

Das Wichtigste in Kürze
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    Kontaktaufbau zur Problemkatze & wichtige Informationen sammeln

    Zuerst sollte man einen Kontakt zur Katze aufbauen, sie in ihrer momentanen Umgebung mehrmals besuchen und versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Man sollte bei den Besuchen eine Stunde oder mehr Zeit einplanen, damit man sich lange bei den zukünftigen Stubentigern aufhalten kann. Ebenso sollte man sich so viel Informationen wie möglich von den aktuellen Pflegern oder Besitzern einholen.

    Bei unsern beiden Fellnasen war es leider nicht viel was wir erfuhren – außer, dass sie beide krank waren. Creamy hatte Ohrmilben. Felix hatte Ohrmilben, Giardien und einen Tumor im Ohr. Laut Tierarzt muss er über Monate hinweg unter extremen Ohrenschmerzen gelitten haben. Die Giardien wurden über einen Zeitraum von 4 Wochen mit Tabletten behandelt. Eine Nebenwirkung der Tabletten war leider ständiger Durchfall. Nach der 4. Woche bei uns stand seine große OP an, die er sehr tapfer überstanden hatte. Danach ist Felix richtig aufgeblüht. Er wurde zu einem lebensfrohen und quirligen Kater.

    Vor dem Einzug der Katze – Diese Dinge solltest du beachten

    Wenn die neuen Fellnasen bei dir einziehen, sollte einiges gut vorbereitet sein:

    • Katzentoilette muss vorhanden sein
    • Futterplatz muss eingerichtet sein
    • Trinkplatz oder Trinkbrunnen muss vorhanden sein (in einem großen Abstand zum Fressplatz)
    • Versteckmöglichkeit muss vorhanden sein (wenn möglich alle Räume offen halten)
    • ein Ausguck oder ein Fensterbrett, damit die Fellinis rausschauen können
    • unterschiedliches Katzenspielzeug

    Zum Futter ist noch zu sagen, dass man sich nicht unbedingt darauf verlassen kann, dass die neuen Fellies dasselbe Futter bei Dir mögen, wie in ihrer früheren Umgebung. Unsere beiden mochten es plötzlich nicht mehr.

    Wenn das Notfellchen einzieht, sollte man es möglichst nahe an der Katzentoilette aus dem Transportbehälter lassen. Handelt es sich um eine Katze aus einer Haushaltung, ist sie meist stubenrein. Bei Streunern kann es sein, dass man die Samtpfote erst einmal an ihr neues „Töpfchen“ gewöhnen muss.

    Das erste was geschieht, wird wohl ein beherzter Sprung aus der Kiste in das nächste sichere Versteck sein. Das wird wohl auch die nächsten Wochen nicht anders werden. Deshalb ist es besonders wichtig, der Katze immer die Möglichkeit zum sicheren Verstecken zu geben.

    Und jetzt gilt: abwarten und Tee trinken.

    Quelle: Pixabay

    Bei der Eingewöhnung der Problemkatze ist deine Geduld gefragt

    Deine Samtpfote wird sich bestimmt mehrere Tage – wenn nicht Wochen – nur sehr selten zeigen. Fellie wird immer aus sicherer Deckung heraus dein Schatten sein und dich beobachten.

    In dieser Zeit solltest Du das Gespräch mit deiner Katze suchen und aus sicherer Entfernung viel mit ihr reden. Die Katze aber bitte nicht bedrängen, in dem du immer näher kommst und sie in die Enge drückst. Meidet dein Stubentiger seinen Futterplatz, musst du ihm wohl oder übel das Futter hinterhertragen.

    Stelle das Futter in sicherem Abstand zu deiner Katze mit Blickkontakt zu ihr ab und entferne dich. Sie wird zunächst zögern, aber nach einiger Zeit doch zum Futter gehen und fressen.

    Wir haben Creamy mehrere Wochen ihr Futter durch die ganze Wohnung getragen. Zu jedem nur erdenklichen Versteck, das sie fand. Die ersten zwei Wochen kam sie, zumindest solange wir zuhause waren, nicht unter dem Sofa hervor.

    Danach waren Verstecke wie im Schrank, hinter den Lautsprechern, hinter der Rückenlehne vom Sofa, im Abstellraum hinter dem Bügelbrett und, und, und angesagt. Das ging gut 4 Wochen so weiter, bis sie sich in unserer Gegenwart langsam herauswagte.

    Wenn deine Samtpfote langsam ihre neue Umgebung erkundet, stellst du das Futter immer näher an ihren Futterplatz – sie muss aber sehen, dass du ihr Futter anbietest. Bei unserer Creamy hat das noch einmal fast 3 Wochen gedauert.

    Nachdem die neue Fellnase nun am Futterplatz frisst und sich nicht mehr so oft versteckt, solltest du es wagen auf sie zuzugehen.

    Rede viel mit ihr als würde sie dir zuhören, schaue sie dabei an und nähere dich vorsichtig.

    Bedränge deinen neuen Mitbewohner nicht und gib ihm Zeit

    Sollte der Eindruck entstehen, dass die Mietze sich bedrängt fühlt, gehe zurück und versuche es später wieder. Wenn du einmal bis auf eine Armlänge an deinen neuen Mitbewohner herangekommen bist, führe ganz vorsichtig deine Hand zu seinem Gesicht und lass ihn schnuppern. Jetzt bitte nicht gleich euphorisch versuchen die Katze zu streicheln.  Dieses Spiel wird gut eine Woche fortgesetzt, bis die Katze den ersten Schritt macht.

    Bei unserem Felix dauerte das gut eine Woche. Bei Creamy sind wir ganze 5 Monate später noch immer im Findungsprozess. Creamy machte bereits bei den Besuchen den Anschein, dass sie keine Beziehung zu Menschen aufbauen kann. Sie muss in der Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Darunter leidet sie noch heute. Sie ist sehr ängstlich und lässt nur sehr langsam und behutsam Kontakt zu. Streicheln darf man sie immer noch nicht – außer sie schläft oder ist abgelenkt – dann toleriert sie es ganz kurz.

    Versuche die Aufmerksamkeit durch eine Katzenangel oder eine Kugelbahn auf dich zu ziehen. Biete immer einen Platz neben dir an und rede viel mit den kleinen Fellnasen.

    Wann gewöhnt sich eine Problem- oder Notfallkatze an Ihr neues Zuhause und akzeptiert den Menschen?

    Ob und wann sich eine Problemkatze voll und ganz an dich gewöhnt, vermag außer der Katze wohl niemand zu wissen, eben so wenig ob und wann sie dich akzeptiert. Es macht auch sehr wenig Sinn, den neuen Mitbewohner von Beginn an erziehen zu wollen. Notfellchen, welche oft sehr stark traumatisiert sind, sollte man zunächst ein sehr liebevolles und katzenfreundliches  Zuhause bieten.

    Wichtig ist, dass sie durch DICH ihr Trauma oder ihre schlechten Erfahrungen hinter sich lassen und ab jetzt viele schöne Momente in ihrem Katzenleben genießen können.

    Über den Gedanken Freigänger oder nicht, sollte jeder selbst entscheiden. Unseren beiden hat man schon nach zwei Wochen angemerkt, dass sie die Sonne und den Mond lieben, also raus wollen. Nach 5 Monaten sind beide Balkonkatzen mit der Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob sie in den Garten und somit in die Freiheit wollen oder nicht. Beide kommen immer wieder zurück.

    Nach 5 Monaten sind wir soweit das Creamy allein über die Katzentreppe vom Balkon in den Garten geht und wieder heimkommt. Leider hat Felix durch den Tumor einen Teil seines Gehörs und somit einen wichtigen Teil des Gleichgewichtssinnes verloren. Darum kann Felix leider auch nicht allein die Katzentreppe in den Garten hinunterklettern. Er entdeckte für sich die Möglichkeit, durchs Treppenhaus zur Haustüre ein und aus zu gehen. Alle beide sind Freigänger ihrer Wahl und sind bis jetzt immer wieder heimgekommen. Das beweist uns, das wir ihnen ein liebevolles zuhause bieten, in dem sie sich wohl fühlen und ein glückliches Katzenleben genießen können.

    Zusammenfassend sei gesagt, dass man es sich gut überlegen muss, ob man ein Notfellchen bei sich aufnimmt. Denn wer einmal ja gesagt hat kann nicht mehr zurück. Viel Geduld und Durchhaltvermögen stehen hier an erster Stelle. Eine solche Aufgabe ist keine leichte – das sollte einem im Voraus klar sein.